Marko Lukovic

Derjenige der sonst die Interviews führt ist, Marko, 27, und momentan sowohl das neueste als auch das jüngste Mitglied des Round Table 74.

Während der Uni-Zeit war es mir irgendwie wichtig, nebenbei noch etwas zu machen – irgendein spannendes Projekt. Dort könnte mehr Leute kennenlernen, Kontakte knüpfen, und so weiter. Quasi schon ein wenig auf die Zukunft schielen. Aus meiner Schulzeit kannte ich sogenannte „Model United Nations“-Konferenzen. Kurz gesagt sind das studentische UN-Simulationen, die an zahlreichen Hochschulen auf dem ganzen Globus organisiert werden. An der Goethe Universität gab es treffenderweise ebenfalls eine solche UN-Simulation. Dort war ich mehrere Jahre Organisator, war ebenfalls international als Komitee-Vorsitz tätig. An einem Jahr war ich dann einer der Hauptorganisatoren. Titel: Generalsekretär. Doch neben dem Standard-Organisierungskram, mit dem ich schon vertraut war, hat sich mir die Frage gestellt: Wieso machen wir das Ganze? Wie können wir einen Unterschied machen? Als Komitee-Vorsitzender hat es mir ohnehin immer Spaß gemacht, anderen Studenten zu helfen, bessere Papers zu schreiben, bessere Reden zu halten, die simulierten Nationen auf seine Seite zu bringen. Allerdings war immer alles streng: Dresscode, Pünktlichkeit, Ausdrucksweise. Es gehört sich, zum Beispiel, nicht, aus Sicht der Nation in erster Person singular zu sprechen. Wir hatten bei unseren internen Trainings dafür auch einen kleinen Strafbecher. Unglaublich, was für eine Sergeant-Vorahnung das war! Als ich dann darüber nachgedacht habe, wohin dieses Geld im Strafbecher eigentlich wandert, war für mich klar: 

Wir sind privilegiert, wir studieren an einer guten Uni. Die anderen Studis reisen aus anderen Ländern an und denen geht es wahrscheinlich gut. Für den simulationsinternen Schabernack das zu benutzen, war für mich nicht logisch. 

Ich kannte eine Wohltätigkeitsorganisation von diversen Campus-Messen und habe vorgeschlagen, dass wir an diese Organisation das Geld spenden. Ein optionaler Straf- und Spendenbecher während der gesamten Konferenz. Damit könnten wir tatsächlich die Lebensqualität von Leuten verbessern, die es nicht so leicht haben. 

Nach der Uni und nachdem ich im Arbeitsleben angekommen bin, habe ich nach etwas Ähnlichem gesucht. Zuerst bei der Hilfsorganisation, die ich kannte. Aufgrund von Corona waren die örtlichen Zweige allerdings nicht mehr ganz so aktiv. Ich wurde von einem Bekannten auf Round Table aufmerksam gemacht – Thomas Führer. Die Bilder und Videos waren alle eindrucksvoll, jedoch ist man dann so abgekoppelt von dem Ganzen. Es war eine Informationsflut. Ich hörte Tommy mir erklären, welche Aktionen und Projekte dann realisiert worden sind, wie glücklich die Empfänger der guten Taten waren, an vielen Orten in Deutschland und Europa, der Ukraine. Doch dann konnte ich meinen Ohren nicht trauen:

„…in Rumänien an vielen Orten. Timișoara, auch kleinere Orte, wie Drobeta-Turnu Severin.“

Drobeta-Turnu Severin. Ich bin aus Jabukovac in Serbien, einige Freunde waren in Severin geboren. Ein Ort, der international nicht den schönsten Ruf hat. Ein 200 Seelen Dorf. Oft kann ich mit Witzen über die Wallachei erste Assoziationen knüpfen. Und ich konnte es nicht glauben, dass Tommy dieses Dorf kennt. Dort war. Round Table dort war. Dort ist. Diese fremde Organisation, die tolle Sachen macht, an vielen Orten Lächeln auf die Lippen zaubert – diese ist mir in irgendeiner Form so nah.

Das war der Moment. Ich musste mir das ansehen. Einige Monate später bin ich einfach nur dankbar, mir das angehört zu haben, und zu wissen, dass ich vielleicht in deinem Heimatdorf mal Spenden und Geschenke verteilen darf.

Maksim Ljubaskin

Maksim, 39, ist zum Zeitpunkt des Interviews seit 2009 am Tisch in Hanau, und ist der Tischpräsident im Amtsjahr 2023/2024.

„Also ich sage dir ganz ehrlich: Von dem Club Round Table 74 Hanau habe ich nie im Leben was gehört. Als ich zum ersten Mal damit konfrontiert wurde, habe ich nichts darüber gewusst. Diese Konfrontation ist tatsächlich durch einen Bekannten zustande gekommen. Robert Possman, der zu dem Zeitpunkt selbst am Tisch ein aktiver Tabler war und sich langsam Richtung 40 entwickelte, wollte dann einen Nachfolger bringen und hatte mich einfach zu einem Projekt mitgenommen. Ich weiß nicht, wo das genau war. Wir waren irgendwann mal abends um zehn Uhr in der Dunkelheit irgendwohin gefahren, um bei Daniel Schrod zu Hause irgendwelchen Betten umzuladen. Da waren für mich auch unbekannte Menschen, mit denen ich zusammen daran gearbeitet habe. Ich war sehr skeptisch. Dann wurde ich zum Tischabend eingeladen als Aspirant. Ich war sehr lange ein Aspirant, ungefähr 8 oder 9 Monate. Ich habe mir immer Gedanken gemacht: Was mache ich? Wer sind alle diese Männer? Ist das eine Sekte? Als ich zum Tisch aufgenommen, wusste ich nicht wofür ich unterschieben habe. Ich war jung, abenteuersuchend und das passte. Da wurde mal ein Projekt in der Ukraine gerade ins Leben gerufen, wo Dolmetscher gesucht wurden. Als ich per Zufall dann von Tommy Führer angesprochen wurde - aufgrund meines Hintergrundes spreche ich russisch - war mein Gedanke: Warum nicht? Es ist doch auch umsonst, dann fahre ich mit. Ich hätte nie gedacht, wie sich das in den kommenden Jahren entwickeln würde.

Für mich ist Spaß, wenn ich aus dem [Weihnachtspäckchenkonvoi; Anm. d. Autors] komplett platt zurückkomme. Eine Woche bin ich dann in Gedanken mitgenommen. Das was projekttechnisch lief, was ich verbessern könnte. Diese Emotionen machen mir Spaß. Die Realisierung von dem, was wir gemeinsam gemacht haben, macht mir Spaß. Das ist ja das Ergebnis von dem, dass man eine gute Idee bis zum Ergebnis gebracht hat, bis zum Schluss: Wir haben Freude kreiert. Wir haben Happiness aus dem Nichts zusammen kreiert. Würden wir alle Brettspiele spielen - also wenn ich bei dem Beispiel bleibe - wäre es ein kurzfristiger Spaß. In dem Moment, wenn du beim Brettspiel gewinnst, bekommt man vielleicht eine Runde Bier umsonst, aber das war‘s. Es ist weniger nachhaltig. Es ist wichtig, dass man auch kurzfristigen Spaß hat, aber ich denke, dass etwas Nachhaltigeres mehr Spaß macht. Und wie gesagt: Ein Projekt ohne Menschen ist nicht möglich. Das ist immer eine Interaktion von Menschen, die aus diversen Ecken kommen. Diverse Kulturen, diverse Backgrounds - das bereichert dich.“ 

Luca Pacher

Luca, 28, ist nicht nur Enkel eines Tisch-Gründers von Round Table 74, sondern im Tabler-Jahr 2023/2024 Vizepräsident des Tisches. 

„Ich habe im Vorhinein eine familiäre Verbindung zu Round Table. Mein Opa hat den Tisch mitbegründet. Er hat mir angeboten, bei Round Table mitzumachen als ich 18 geworden bin – im frühestmöglichen Beitrittsalter. Zu dem Zeitpunkt war ich aber noch nicht bereit, um Round Table beizutreten, weil ich karrieretechnisch keine Antworten auf meine Fragen hatte. 

Nach der Schule bin ich daher nach Stralsund studieren gegangen. Das ist schon einige Stunden weit weg, deswegen habe ich mich auch nicht großartig mit Hanau identifizieren können. Ich bin auch nicht aus Hanau. Ich bin 20 Minuten weit weg von Hanau groß geworden. Dann bin ich mit dem Studium fertig gewesen, dann hat man's nochmal versucht. Man hat mich nochmal darauf hingewiesen: ‚Hey, Round Table - wäre das nicht was?‘ Ich habe mich dabei gefragt, was nach dem Studium wird. Fragen über Fragen. Dann wurde ich zum dritten Mal gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, bei Round Table mitzumachen. Das musste zwei bis drei Monate nach dem Tod meines Großvaters gewesen sein. Ich glaube, meine Großmutter hatte mich das gefragt. 

Diesmal traute ich mich: ‚Na klar, warum nicht?‘ 

Round Table hat die Kindheit meiner Mutter mitgeprägt. Sie war auf Events, auf Weihnachtsmärkten, und sie findet es schön, dass ich das weitermache. Ich glaube, diese familiäre Bindung ist eine sehr großer Punkt für mich. Plus: Auch der Aspekt, dass ich tolle Leute kennengelernt habe, die sich auf kurzem Dienstweg einsetzen, etwas bewegen zu wollen. 

Round Table lebt für mich durch seine Mitglieder. Und durch seine Geschichte. Ich meine: Wir sitzen hier alle in unserer Freizeit. Wir machen das hier, weil wir an diese Sache glauben. Wir machen das, weil wir Menschen helfen wollen, durch die von uns erdachten Ideen. Wir haben einen kleinen vertrauten Kreis, in dem wir uns einbringen können, in dem wir Ideen zum Leben erwecken können, in dem wir tatkräftige Unterstützung bekommen können, und das finde ich toll. 

Ich war ein Jahr lang in den USA in Texas und habe mein Austauschjahr gemacht. Im Rahmen dessen habe ich eine tolle Gastfamilie kennengelernt, die uns 2015 besucht hat. Ich hatte am Anfang des Interviews gesagt, dass ich wenig Berührungspunkte mit der Stadt Hanau hatte - dem geschuldet, dass ich dort nicht aufgewachsen bin und dass ich nicht intensiv mit meinem Opa über Round Table gesprochen habe. Aber wenn du mich jetzt fragst, was mich mit Hanau verbindet, dann der Besuch der Gastfamilie und dass wir ihnen die Stadt Hanau gezeigt haben. Wir haben ihnen das Schloss gezeigt, mit anschließendem Spaziergang im Schlosspark, wir haben Schwäne gesehen, und so habe ich Hanau für mich abgespeichert. Jetzt hatte ich die Möglichkeit beim Weihnachtsmarkt mitgeholfen zu haben - so habe ich Hanau aus einem weiteren Winkel sehen können. 

Tatsächlich bin ich wenig bis dato in Hanau gewesen. Aber das möchte und werde ich ändern. 

 

Björn Schmidt

Ein Teil der Gelnhäuser-Fraktion bei Round Table 74 ist Björn, zum Zeitpunkt des Interviews 37 Jahre jung.

„Ich wollte erst mal gar nicht zu Round Table, das hat mehrere Jahre gedauert. Ich war anfänglich eher der Meinung, Round Table sei elitär und nicht unbedingt etwas für mich. Ich war noch nicht angekommen im Beruf, mit meinen akademischen Leistungen unzufrieden und mit mir selbst noch nicht so unbedingt im Reinen. Erst als ich sagen konnte: ‚Ja, jetzt habe ich für mich einen zufriedenstellenden Status erreicht. Mir geht es gut.‘, erst dann kam der Gedanke auf: ‚Jetzt kann ich  auch anderen dabei helfen.‘ Und das ist eine Erkenntnis, die ich auch nach wie vor als eine sehr, sehr wichtige Basis für jede Form von Hilfe sehe. 
Wenn man anderen helfen möchte, dann muss man zuerst dafür sorgen, dass es einem selber gut geht, denn nur so lässt sich die dafür notwendige Energie immer wieder auffüllen. Erst als ich auch im Job weiter fortgeschritten, das Studium beendet, ich hatte damals den Bachelor, glaube ich, frisch abgeschlossen, dann hatte mich der Robert Schüler [Mitglied Round Table 74 Hanau; Anm. d. Autors] noch mal überredet mitzukommen und dann habe ich mir die ganzen Leute noch mal angeschaut und festgestellt:

Das ist gar nichts Elitäres. Ich kann sehr, sehr gut mit diesen Menschen umgehen, die können auch was mit mir anfangen. Wichtig ist trotzdem eine solide Basis.

Das ist natürlich auch sehr wichtig und irgendwann ist der Funke übergesprungen. Aber das war kein Moment von heute auf morgen oder von gestern auf heute. 
‚Der Gesellschaft etwas zurückgeben‘ klingt für mich ziemlich abgedroschen. Die Gesellschaft hat mir eigentlich gar nicht so viel gegeben. Ich habe hart an mir selber gearbeitet. Dennoch ist ein Stück soziale Verantwortung gewachsen. Es gibt viele Menschen, denen das Glücklichsein schwerfällt. Hier können selbst kleine Gesten unterstützen.

Die dabei selten kommunizierte, aber jedes Mal empfundene Dankbarkeit macht mich glücklich, wenn ich merke, dass ich hier etwas Konstruktives mache - beispielsweise zuletzt das Brötchenschmieren bei ‚Kochen für die Obdachlosen [Aktion des Stützenden Hände e.V.'s; Anm. d. Autors]‘, wo ich zuletzt war. Wenn ich weiß, ich helfe hier anderen Menschen, ich kann ihnen was geben, wofür diese aus welchen Gründen auch immer momentan nicht selber sorgen können, macht mich das glücklich.

Whisky ist ein Hobby von mir. Die meisten von den eingekauften Flaschen trinke ich aber gar nicht selbst. Viele kaufe ich ein, um Freunden eine kleine Freude zu machen, wenn sie mich besuchen. So lässt sich gut auszudrücken, was man nicht immer mit Worten sagt: Danke, dass ihr hier seid. Round Table konnte diesen wichtigen Teil meines Lebens stark bereichern.

Ich wohne jetzt seit 11 oder 12 Jahren in Gelnhausen, das ist für mich zunächst zur zweiten und vielleicht sogar mittlerweile zur ersten Heimat geworden. Ich kam damals aus Berlin hierüber, zu einem Zeitpunkt, wo ich weder ein abgeschlossenes Studium, noch einen Führerschein hatte. Bekannte in Gelnhausen haben mir damals ermöglicht, das alles nachzuholen. Ich habe meinen Führerschein gemacht, meine Ausbildung abgeschlossen, gleichzeitig ein Studium angefangen und abgeschlossen. Das waren Optionen, die mir meine damalige eigentliche Heimat Berlin nicht geboten hat, und deswegen ist Gelnhausen für mich ein Ort, mit dem ich unfassbar viel verbinde.

Das war damals kein fester Plan.“

Kosta Konstantinidis

Kosta, 35, gehört seit über einem Jahrzehnt zum Round Table 74 Hanau.

„Die Stadt Hanau ist zum einen mein Geburtsort, ich wurde im Stadtkrankenhaus geboren.
Das ist vielleicht auch so eine kleine, interessante Geschichte. Die Round Table Welt ist ziemlich klein:
Ich hatte noch zur Schulzeit einen Nebenjob gesucht. Ich wollte jetzt nicht unbedingt Zeitungen austragen oder Sonstiges, Ich war kurz vor meinem 18. Lebensjahr und hab mir gedacht: 
‚Okay, was könnte dir Spaß machen? Barkeepern, kellnern, das hast du schon mal gemacht, habe da innerhalb der Familie ausgeholfen und war ganz cool.‘ Stets serviceorientiert also.
Und so kam es dazu, dass ich anfing im Cubaña in Hanau zu kellnern, beziehungsweise an der Bar zu arbeiten.

Der Besitzer dieser Bar ist übrigens Stefan Gebauer – ein OTler, was mir damals nicht bewusst war. 
Zu Round Table kam ich so: Ohne meinen Schwiegervater hätte ich nicht gewusst, was Round Table ist und was Round Table macht. Mein Schwiegervater – Engelbert Friedsam – ist schon sehr lange dabei und ich habe mich früher immer gefragt: ‚Was macht dieser Typ da eigentlich? Und mit wem trifft er sich da eigentlich immer und warum fliegt er durch die halbe Weltgeschichte, um mit irgendwelchen vermeintlich fremden Menschen was zu besprechen?‘

Ich habe dann irgendwann mal auch eigenständig Interesse an der ganzen Sache gezeigt und habe mich immer mehr gefragt, was das eigentlich sein soll, was wird dort gemacht, warum wird das gemacht. Ich bin deswegen dann irgendwann mal Aspirant geworden, weil ich mir das einfach mal anschauen wollte, wie das funktioniert und wie das läuft. Das war im Februar 2012 und so lange bin ich jetzt schon dabei. 
Im Endeffekt hatte ich, als ich jünger war, tatsächlich noch kein Interesse daran, irgendwie der Welt was zurückzugeben, beziehungsweise etwas Gutes zu tun. Das ist tatsächlich dann erst daraus entstanden, als ich kennengelernt habe, dass das, was Round Table tatsächlich macht, mein Interesse weckt, und dann erst habe ich angefangen darüber, mir Gedanken zu machen, ob ich vielleicht jemandem, dem es nicht so gut geht wie mir was zurückzugeben.

Zu wissen, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu können, auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, treibt mich an. Du bist irgendwann mal wie in einer in einer Schleife drin und weißt, wie gut es dir eigentlich geht, und weißt jetzt mittlerweile aber auch, dass es anderen Menschen nicht so gut geht, wie es dir selber geht, und nun macht man sich darüber Gedanken. Früher hatte ich diesen Gedanken nicht.“ 
 

Constantin Ross

Constantin ist unser momentaner RT74 Hanau Past-Präsident, D7-Vizepräsident und ist 34 Jahre alt.

„Was verbindet mich mit Hanau? Erste Antwort der Zug – Punkt. (lacht) Nein, tatsächlich verbindet mich relativ wenig mit Hanau aktiv, außer das meine Tante dort lebt in Kesselstadt, und Hanau für mich immer die nächstgrößte Stadt war im Main-Kinzig-Kreis, und wo man ab und zu einkaufen gewesen ist, oder mit Freunden unterwegs war. Was aber spannend zu beobachten ist, ist wie viele Service-Clubs es in Hanau gibt, und wie gut sie miteinander arbeiten können, zum Beispiel beim ‚Gemeinsam für Hanau‘-Weihnachtsmarkt. Von daher verbindet mich persönlich gar nicht so viel mit Hanau. Ich habe allerdings gelernt, dass Hanau ein Schmelztiegel ist von verschiedenen Gesellschaftsgruppen und Herkünften von Menschen, weswegen ich aus Round Table Sicht ganz spannend finde, dass man dort eben seine Spuren hinterlässt, um zu schauen, was man verbessern kann.

Ich bin geboren in Gelnhausen, also auch im Main-Kinzig-Kreis, bin dann über ein paar Umzüge mit den Eltern und alleine nach Hamburg gezogen für anderthalb Jahre, bin dann wieder zurückgekommen nach Gelnhausen, und merke, dass mir diese Gegend und diese Menschen sehr sehr gut tun. Die Mentalität, die Art zu reden, die Ansicht zu leben, die passt mir hier. Damit komme ich sehr gut zurecht. Ich finde es schön, dass wir es nicht so weit haben zu großen Städten wie Frankfurt und den Flughäfen, und so weiter. Die Autobahn ist um die Ecke, der Grüngürtel um die Ecke, also von daher haben wir alles, was man sich so wünschen kann. Das ist meine frei gewählte Heimat. Meine Partnerin ist ja auch aus Frankfurt und ist hierhergezogen. Sie ist genauso wohl aufgenommen worden, fühlt sich genauso wohl, wie ich das hier tue, und von daher ist das unsere gemeinsame Heimat geworden.

Ich liebe meinen Job. Ich liebe, das was ich tue als Physiotherapeut. Menschen körperlich helfen zu können mit meinen eigenen Händen, oder einfachen Gerätschaften. Mich motiviert meine Familie, mich motivieren meine Freunde, mich motiviert meine Partnerin extrem und fördert mich da entsprechend auch. Ich freue mich auf die bevorstehende Hochzeit. Ich freue mich auf das gemeinsame Leben, was in Zukunft kommen wird. Ich freue mich auf die Zeit mit meinen Freunden und auch hoffentlich bald auch mehr wieder Zeit zu haben in der Größenordnung. Einfach ein gutes, ehrenvolles, tolles, entspanntes, schönes Leben zu haben. Das ist mein oberstes Ziel, und mehr brauche ich eigentlich nicht haben. 

Denny [Denker, RT74 Mitglied und Webmaster zum Zeitpunkt des Interviews; Anm. d. Aut.] hat mich damals angesprochen und gesagt, dass er bei Round Table 74 aktiv ist, beziehungsweise Aspirant sei, und dass er das total spannend und wichtig findet. Wirklich viel hat er mir aber nie davon erzählt. Dann sagte er: 

‚Hey, ich bin aufgenommen worden, hast du nicht auch Bock mitzumachen?‘ 

Das war 2020 im März. Dann bin ich als, ich nenne es jetzt mal ‚Corona-Tabler‘, voll in die ganze Videocall-Phase reingerutscht, wo wir uns quasi faktisch nie gesehen haben, und ich viele auch lange nicht in Person gesehen habe. Trotzdem durfte und konnte ich schon einen ersten Eindruck davon gewinnen, was wir da eigentlich tun. Im Juni 2020 bin ich aufgenommen worden per Egovortrag, bin vorher schon hochmotiviert gewesen, und bin spätestens seitdem noch mehr motiviert, Dinge zu verändern und Dinge zu tun, oder Wege zu gehen, die vielleicht nicht erdacht worden waren bisher. Meine Partnerin habe ich auch angesprochen, ob sie denn bei LC [Ladies‘ Circle; Anm. d. Aut.] mitmachen möchte, was ja bei dem ein oder anderen Tabler auch so war. Da ist sie eben nicht so motiviert auf der Clubebene mitzumachen, aber trotzdem hilft sie mir und uns da extrem immer mal am Tisch und bei den Events mit. Sie war jetzt hier auch mit in Moldawien beim ‚House of Hope‘ [Service-Projekt von Round Table; Anm. d. Aut.], und macht mir dadurch die Arbeit auch sehr viel leichter, weil ich entsprechend weiß, dass ich solche Sachen machen kann und meine Verlobte mir immer den Rücken freihält und Verständnis dafür hat, dass ich solche sozialen Arbeiten leiste.

Den Zeitpunkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich Teil einer größeren Gruppierung oder größeren Organisation bin, gab es für mich gar nicht so wirklich, dadurch dass ich sehr, sehr gut eingeführt in das Konstrukt Round Table und seiner angehängten freundschaftlichen Clubs worden bin. Ein Moment, in dem ich gemerkt habe, wie toll das ist, war für mich das CEETM [Round Table Event; Anm. d. Aut.] in Bielefeld, wo auf einmal nationale und internationale Tische zusammentrafen, und dieses Motto „Meeting Old Friends for the First Time“ tatsächlich in die Tat umgesetzt werden konnte. Das heißt, ich habe Menschen, die ich vorher nie gesehen habe, 2 Sekunden lang wahrgenommen, dann wurde mir die Hand gereicht, ein Pin angehängt, oder irgendein RT-Sammelobjekt angebracht. Das Grundvertrauen ineinander war so hoch, dass es quasi gar keine Kennenlernphase mehr gab, weswegen ich gemerkt habe, dass das, was so proklamatorisch geäußert worden ist, tatsächlich stimmt und auch so gelebt wird – auch international. Deswegen merkte ich: Wir sind definitiv eine internationale Gemeinschaft, und wir sind größer als der einzelne Tabler für sich.

Der Grund, warum ich noch bei Round Table bin, ist, weil es verdammt viel Spaß macht. 

Die Arbeit miteinander - ob das jetzt auf Tischebene oder Distriktsebene ist, ob national oder international, es macht einfach immer Spaß. Selbst wenn man mal Momente hat, die nicht so schön sind, weil es einfach nicht funktioniert, oder Leute nicht zu ihren Verpflichtungen oder Versprechen stehen, weil es einfach einen persönlich, menschlich oder gesellschaftlich nicht passt. Trotzdem gibt es immer noch mehr Menschen, als nur diejenigen, die man als negativ wahrnimmt. Menschen, die trotz allem mehr und mehr machen. Man lernt neue Leute kennen, wo man sich im Nachhinein denkt: ‚Was macht er hier für sich alleine, hat sein Tag 25 Stunden? Wie kriegt er das alles geregelt?‘ Wenn es mal irgendwo nicht läuft und vielleicht auch da keine Besserung zu finden ist, ist es ja nicht das Problem von Round Table, sondern häufig im Zwischenmenschlichen. Grundsätzlich aufzuhören fand ich falsch und werde es auch weiterhin so betrachten, außer es gibt andere wichtige Gründe. Aber normalerweise sind wir ein Club von Männern, die auch aussprechen können, was sie empfinden und was sie denken. Von daher war es nie für mich die Frage gewesen, richtig tief mal aufzuhören, sondern eher ein anderes Ventil zu finden oder Ansätze neu zu deckeln und durchzuführen, sodass man wieder glücklich wird bei Round Table.

Carsten Ahlbrand

Unser Ur-Hesse ist Carsten, 35 Jahre jung, und ist schon 5 Jahre Tischmitglied.

„Mein Traum treibt mich an. Mein Traum, die Welt zu verbessern. Mein Traum, ein gutes Leben zu führen, ein gutes Leben für meine Familie zu schaffen, und eine bessere Welt zu schaffen. 

Also das hört sich natürlich alles ein bisschen kitschig an, aber ich denke, wenn jeder so denken würde, wäre die Welt eine bessere.

Ich habe viel Leid sehen müssen, ob es privater Natur war, oder auf Reisen.

Meine Entscheidung zu helfen, und mich sozial zu engagieren, kam allerdings aus privaten Gründen. Ich muss dazu sagen, es gab eine prägende Aktion in meiner Kindheit.


Mein Vater, der schon seit 30 Jahren im Rollstuhl sitzt, wurde durch seinen Unfall komplett aus dem sozialen Leben gerissen. Er hatte keine Verbindung mehr zu Außenwelt.
Die Lösung dieses Problems war ein sprach gesteuerter Computer, der Mitte der 90er eine unfassbar teure Angelegenheit gewesen ist, und für eine junge Familie mit einem verunglückten Familienvater unvorstellbar wäre zu realisieren.

Es wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Diese war allerdings nicht von Round Table, damals hatte der Lions Club [Service-Organisation; Anm. d. Aut.] für meinen Papa gesammelt, und es wurden unfassbare 30.000 DM gesammelt. Es war genug Geld zusammengekommen, um ihm einen PC zu finanzieren, sodass er wieder Anschluss an die Außenwelt bekommen konnte. So hat diese Geschichte mit dem Service Club für mich angefangen.

Es geht aber nicht immer um Spenden, es geht auch um das Tun. 

Das ist wie der Pfadfinder immer sagt: „Jeden Tag eine gute Tat“
Ob das der Bettler ist, der mit seinem Hund am Straßenrand sitzt, dem man mal 2 oder 5 Euro in die Hand drückt, oder die Oma der man einen Wasserkasten ins Auto einlädt. Diese kleinen Dinge machen das Zusammenleben und die Welt zu einer besseren! 

Prinzipiell hatte ich von Round Table 74 oder Round Table im Großen und Ganzen noch nie etwas was gehört. Ich habe mir damals einen Traum erfüllt, habe mir einen Mercedes AMG gekauft und habe auf Umwegen dort Thomas Führer [ehemaliges Mitglied RT74, Mitglied OT74; Anm. d. Aut.] kennengelernt. Thomas Führer ist eines der bekanntesten Mitglieder von Round Table 74, der auch der Ziehvater des Weihnachtspäckchenkonvois ist. Thomas hatte damals, weil ich mit der Auslieferung dieses Mercedes überhaupt nicht zufrieden war, für Mercedes die Kohlen aus dem Feuer geholt. Thomas kam damals zu mir und hat das Problem, was ich mit der Auslieferung hatte, an sich genommen. Thomas besuchte mich in unserem Firmensitz, stellte mir seinen Mercedes vor die Tür, und nahm meinen Mercedes mit.Er kannte mich nicht mal: ‚Hier hast du mein Auto! Ich kümmere mich um dein Problem.‘ So lernten wir uns kennen. Thomas und sein Team haben mein Auto dann richtig zurechtgemacht. Ich habe dann wirklich mein Traumauto übergeben bekommen,
so wie man sich das vorstellt, wenn man sechsstellig für sein Fahrzeug bezahlt.

Thomas hatte mir damals viel vom Weihnachtspäckchenkonvoi erzählt. Der Weihnachtspäckchenkonvoi war eine Aktion, die sehr bei mir ankam, wo man einfach jemandem eine Freude macht, den man nicht mal kennt, und damit die Welt ein bisschen besser macht. 

Und so kam ich zu Round Table. 

Ich war damals schon sozial aktiv, und bin es heute noch, auch außerhalb unseres Tisches. Ich habe Kindergärten unterstützt, habe Bücher, Lernlektüren und Spenden generiert – auch aus Eigeninitiative, und wie gesagt, wusste eigentlich von diesem Club oder dieser Organisation nichts. Thomas hatte mich damals eingeladen, mir mal einen Tischabend anzuschauen. Ja, mittlerweile ist es fünf Jahre her. Ich habe damals gesagt ‚Ja, das ist was, wo für ich auch stehe, wofür ich brenne‘. 

 

Meine Heimat ist eigentlich Altenstadt im Wetteraukreis. Das ist so eine halbe Stunde, 35 Minuten von Hanau entfernt, aber ich sag mal so: Wenn wir uns treffen zu unserem Tischabend, dann ist mir die Fahrt das auch wert!

Wieso ich nicht aussteige? Weil wir am Tisch viele gute Sachen besprechen, vielen Leuten helfen, Projekte voranbringen, die viele einfach nicht angehen würden. Also unser Spruch ist ja: ‚weil wir das machen‘, und das ist einfach Programm. Im Großen und Ganzen ist es so, dass dieser Tisch auch jetzt gerade Hanau sehr bekannt ist für viele große Projekte, wie den Weihnachtspäckchenkonvoi, das Bürgerfest in Hanau etc. 
Wie viele Projekte über das Jahr hinweg unterstützten, und vorantreiben, kurz gesagt anderen Menschen helfen. Unser Zusammenhalt am Tisch ist sehr, sehr gut, aus Fremden wurden bekannte, und aus bekannten wurden Freunde.

Ich kann jedem empfehlen, so einem Club beizutreten.“

Thomas Domin

Wir kommen nun zu Thomas, Aspirant des Round Table 74, der in der Zwischenzeit auch zu seinem Ego-Vortrag eingeladen wurde.

„Ich muss zugeben die Gemeinschaft gefällt mir und auch so ein bisschen der Aspekt, dass Round Table 74 ein wilder Haufen ist. Da würde ich kaum sagen können: ‚Ihr beide seid relativ ähnlich.‘

Jeder ist irgendwie anders und trotzdem passt es so. Dieser Grundgedanke von ‚Wir wollen etwas Gutes tun‘ steht darüber, und das finde ich gut so. Diese Gemeinschaft hält mich sehr stark hier. Und auch der Gedanke, dass ich als Einzelperson nicht so wichtig bin, weil die Sache im Vordergrund steht.

Meine Freundin, die ist ja damals auf Ladies‘ Circle gekommen und ich fragte nur, was das ist. Sie hat mir das erklärt und meinte, dass es davon auch einen männlichen Gegenpart gibt. Verrückt. Dann habe ich dem Tisch über die Webseite geschrieben und ja… dann wurde ich von Denny und Björn zum Essen eingeladen… wobei nein, wurde ich nicht, es wurde selbst bezahlt. (lacht)

Tatsächlich war mein erster Eindruck, dass das eher so eine Trinker-Gemeinschaft ist, weil ja schon irgendwie einer der ersten zwei Sprüche war, wo die da zum Trinken waren, und da voll waren, du hast das schwerste Bein der Welt und all‘ solche Sachen, aber das hat sich ja doch relativ schnell gelegt. (lacht)

Diese Projekte, Gutes tun und größere Aktionen, wie der Weihnachtsmarkt Emmerichshofen und das Bürgerfest in Hanau und so weiter – das erfordert ja schon so ein bisschen Organisation und auch Einsatz. Und es ist alles ehrenamtlich. Es ist einfach schön mit Menschen zusammenzukommen, die auch so eine positive Grundeinstellung haben und nicht sagen ‚okay, was kann ich davon rausholen? Was ist da für mich drin?‘

Welche Dinge treiben mich an? Nun… mein Sport. Viel Sport. Ich mache Karate. Jetzt bekommen wir ja bald einen Hund. das wird mich wahrscheinlich viel Nerven kosten, aber auf jeden Fall auch glücklich machen. 1000 Sachen machen mich glücklich. Sei es jetzt ein gutes Buch, abends mal durchzocken, mit meiner Freundin irgendwie rumhängen. Also eigentlich fast alles, was das Leben uns bieten hat. Mein Gott, hört sich das jetzt philosophisch an. 

Jetzt wird’s episch: Man braucht, glaube ich, als Mensch eine gewisse Reife um die Schönheit des Lebens zu erkennen und tatsächlich auch einfach festzustellen: ‚ich habe es mir anders vorgestellt, so ist es halt’, um das dann zu akzeptieren. Dann wird auch alles schöner. Wenn man ein wenig von den Erwartungen, die man an sich selbst oder auch an seinen Lebensentwurf stellt, loslässt und einfach akzeptiert wie es ist, dann wird alles auf einmal angenehm und alles macht einen glücklich. Sei es jetzt das Blümchen, die aus der Erde kommt, sei es jetzt vielleicht das Urlaubsgeld, was überwiesen wurde, oder auch der Lottogewinn, alles macht halt einen irgendwie froh. 

Für mich war diese Erkenntnis definitiv ein Prozess. Irgendwann wird sich jeder mal die Frage stellen: ‚ich möchte glücklich sein oder zumindest nicht mehr traurig‘ oder ‚irgendwie bin ich nicht zufrieden mit dem, was ich habe.‘ Daraus folgt dann irgendwann irgendwie: ‚wie werde ich glücklich oder wie werde ich zumindest nicht unglücklich?‘

Und dann ist nur das Erste, worauf man schließen könnte: Ein dickes Auto, ein Haus, eine hübsche Frau, viel Geld – dann kommt das Glück. Dann schaut man sich Leute an, wie Jim Carrey oder viele andere Menschen, die sonst was erreicht haben Leben, die sagen: 

Das ist es nicht. 

Und je mehr man dann sucht, schaut und sich beliest, merkt man, dass das eigentlich eher so ein bisschen sinnlos ist. 

Je mehr man loslässt, desto eher kommt man dann natürlich auch zurück, desto mehr sieht man, dass man sich an Statik festhalten muss. Aber natürlich von heute auf morgen loslassen geht nicht. Das ist dann eher so ein langsames, entspanntes Loslassen als ein „und auf geht’s!“ Deswegen würde ich sagen, das ist eher ein Prozess, weil man irgendwann merkt, dass das, was jetzt für mich zum Beispiel eine große Sache war, eigentlich nichts so groß sein kann. 

Ich habe aufgehört, mich über 98% der Dinge aufzuregen, weil es einfach nichts bringt. Ich rege mich auf, ich investiere Energie, ich habe schlechte Laune, es hat sich trotzdem nichts geändert. Das heißt nicht, dass ich jetzt Buddha bin, ich reg mich immer noch über genug Dinge auf. Ich muss selbst auf jeden Fall noch loslassen. 

Es gibt noch einige Dinge, wo ich merke, dass diese jetzt eigentlich nicht sein müssen. Zum Beispiel, dass ich wieder viel am Rechner bin. Ich ertappe mich selbst beim Gedankengang: ‚Ah guck mal, du könntest jetzt viel sinnvollere Dinge tun, aber es macht halt Spaß‘. Ich klammere mich noch sehr an dieses ‚zocken macht Spaß‘ und ‚ich will jetzt zocken, weil ich irgendwie Bock habe‘. Das ist noch so eine Sache, die ich loslassen musste, und ich habe relativ viele Bücher zu Hause stehen. Ich lese die zwar immer noch, aber der Aufbewahrungsgedanke ist eigentlich hinfällig: Ich habe diese Bücher hier stehen damit, falls jemand kommt, sieht und denkt: ‚ah guck mal, das ist ein kluger Mann, der sie liest‘. Eigentlich müssen die Bücher nicht rumstehen, im besten Fall einmal lesen, wenn es einem gefällt, zum zweiten Lesen da stehen haben, aber ansonsten weggeben. 

Ich denke, es gibt zwei Aspekte unter denen man Freude betrachten kann. Einmal vielleicht so eine grundlegende Freude, die man haben kann, und dann haben die natürlich auch Spitzen. Jeder würde sagen, dass die Geburt des ersten Kindes bei den meisten Menschen mehr Freude ausgelöst hat, als das Frühstück. Frühstück kann natürlich auch geil sein. Aber da gibt's halt immer Höhen und Tiefen und ich denke, beide haben eine wichtige Daseinsberechtigung. Es gibt auf jeden Fall Spitzen. Momente, wo das Leben wirklich sehr schön ist, aber es gibt doch einfach nur eine grundlegende Baseline, die man mit der Zeit nach oben schieben kann, dass man einfach feststellt, dass man eigentlich so froh ist.

Mit Hanau verbinde ich viel Arbeit, da ich sehr lange in Hanau gearbeitet habe. Außerdem viele verschiedene Kulturen. Hanau hat viel zu bieten, aber man muss es suchen, und das verbindet mich mit Hanau. Hanau hat viel zu bieten, ist auch wirklich eine schöne Stadt, hat seine schönen Ecken, hat auf jeden Fall auch unschöne Ecken, die hat jede Stadt. Aber Hanau zwingt einen, ein bisschen danach zu suchen. Es gibt schöne Kunst in Hanau, es gibt schöne Kultur in Hanau, es gibt wundervolle Cafés, es gibt aber auch das, was man einfach nur auf den Hauptstraßen sieht. Im Fazit verbindet mich mit Hanau die Suche nach dem Schönen.“

Christoph Zugenbühler

Bis März noch Teil von Round Table 74 gewesen, ist Christoph, 40, seitdem im 41ers Club, auch Old Tablers genannt.

„Es gibt für mich keinen Zweifel, dass ich mich in irgendeiner Form auf jeden Tag freue. Das ist Lebensglück, das ist Lebensqualität.

Es gibt es gibt Momente im Leben, da denkt man über seine Situation und erlebte Erfahrungen nach und reflektiert. Ich habe für mich mitgenommen, dass manchmal eine kleine Aufmerksamkeit oder ein offenes Ohr für Freunde, Familie und Bekannte schon weiterhelfen kann, wenn jemand mal einen schweren Tag hat.
Nicht jeder Tag ist perfekt und nicht immer scheint nur die Sonne, aber ich denke mir immer wieder wie gut es uns geht und welch ein Glück wir haben. Umso schöner ist es für mich, wenn ich jemandem weiterhelfen kann.

Mir wurde so viel über die „hands“ on Mentalität bei Round Table erzählt. Davon war ich begeistert und wollte es gleich selber ausprobieren und ein paar Wochen später stand ich beim Packen von Weihnachtspaketen für den Weihnachtspäckchenkonvoi.
Dazu kam, dass ich gerne reise und die Welt entdecken möchte. Umso besser gefiel mir die Option überall auf der Welt ein großes Netzwerk an Menschen treffen zu können, die alle für die gleiche gute Sache einstehen. Diese Erfahrung sammele ich seit mittlerweile 7 Jahren als Tabler.

Wenn du einmal das Thema Tabling und die ‚one big family‘ Philosophie verstanden hast und an dich an den sozialen Projekten beteiligst, dann bist und bleibst du ein Tabler mit Herzblut fürs Leben.“

Thomas Führer

Thomas Führer ist ehemaliges Mitglied von Round Table 74 Hanau, und seit 2002 Mitglied von Old Tablers 74 Hanau. Des Weiteren ist Tommy „Ehrenmitglied“ bei Round Table und Old Tablers Deutschland. Sein Herzensprojekt, der Round Table Weihnachtspäckchenkonvoi, hat er mit Round Table realisiert und dieses ist heute deutschlandweit bekannt. 

„Ja, jetzt glaube ich, gibt's was zum Lachen, ich bin tatsächlich in Hanau geboren, ich bin geborener Hanauer. Ab 1994 bin ich in Freigericht ausgezogen, und 100 Kilometer weiter nach Taunusstein gezogen. Dementsprechend hatte ich immer eine Anfahrt von 100 Kilometer one way. Jede zweite Woche war der Termin. Also wurden im Monat mal über gut 400 Kilometer nur für das Meeting gefahren. 
Zu Round Table bin ich gekommen über einen ehemaligen Nachbarn, der Anwalt war, und nun in Leipzig wohnt. Er sprach mich an und sagte: ‚Mensch, Tommy, was machst du?‘ Dann sagte er: ‚Du bist der Richtige‘. Und dann fragte ich ‚für was?‘. Und er erklärte mir Round Table. und ich sagte ‚Okay, ich komm mal mit.‘ Und das war eigentlich der Start in RT. Ich war in Hanau das erste Mal dabei, im Mai 1991 hatte ich dann das zweite Treffen, und es hat mich begeistert nach und nach, und mehr und mehr. 

Warum bin ich noch bei Old tablers, wo bin ich ausgestiegen? Es war schwer für mich, zu Old Tablers zu gehen, bedingt dadurch, dass mir der Service gefehlt hat. Und warum bin ich noch bei Old Tablers? Weil wir jetzt serviceorientiert sind und es bei uns keine altersbedingte Begrenzung mehr gibt, lediglich die natürliche Fluktuation.
Es ist der Service. Es sind viele Momente, einen speziell rauszuholen – Ein Moment? Nein, das geht nicht. Das sind 1000 Momente. Tausende. Es sind tausende Lächeln der Dankbarkeit, es sind tausende Lächeln der Freude, sowohl über den Weihnachtspäckchenkonvoi, als auch über den Freunde-Helfen-Konvoi. Wenn wir den Ärzten Sachen in die Hand geben, die sie vorher noch gar nicht hatten es.
Was treibt mich an? Das ist der Gedanke, anderen helfen zu wollen, und helfen zu können. Das ist der für mich wichtigste Punkt, die Offenheit und die Freundschaft miteinander und untereinander, wie wir miteinander umgehen, über jede Berufssparte hinaus – man versteht sich. Es ist nicht der Beruf, der zählt. Es ist nicht der Erfolg im Beruf erzählt, sondern es ist der Mensch, der in diesem Club ist. 

Nachträglich gibt es dann doch einen Moment, der mir im Hinterkopf geblieben ist: Wir waren 2010 das erste Mal in der Ukraine und haben Weihnachtspäckchen verteilt. Du [Maksim Ljubaskin, RT74 Präsident zur Zeit des Interviews] warst dabei, und Andrew Fordyce war dabei. Und irgendwann auf dem Weg von Odessa in den Süden Richtung Michalowka musste ich anhalten, weil mir der Fahrer sagte: ‚Mit deinem LKW stimmt irgendwas nicht, da wackelt was.‘ Dann sind wir rausgefahren und haben das befestigt. Da kam eine Frau nebenan aus dem Feldweg raus, richtig eingepackt in 25 Decken auf einer Kutsche, und die Kutsche wurde von einem Esel und von einer Kuh gezogen. Und nebenbei ist so eine Ziege mitgelaufen. Wir waren trübe und sagten ‚Komm, das sei unser erstes Weihnachtspäckchen in der Ukraine‘, und wir fragten die Frau, wie viele Kinder sie hat. Sie hat vier Kinder. Und rechts und links die Nachbarn - da kamen wir so auf 10 bis 12 Kinder. Diese Frau hat dann alle ihre Päckchen reingeschoben in den Sitz, und sprach uns auf Ukrainisch oder auf Russisch Gottes Segen aus, und zeigte uns unendliche Dankbarkeit. 

Es gab auch eine andere, lustige Geschichte. Etwas mit einer Urkunde, die man auch Strafzettel nennen könnte.
Das war auf einer Fahrt nach Odessa. Wir sollten eigentlich nur, oder durften nur, rechts abbiegen und wir sind dann doch nach links abgebogen. Es war 2010, und wir hatten das Fahrzeug von der Kirche dabei. Ich sagte: ‚Ach komm, wir fahren links ab, hier ist alles frei.‘ Und dann, 200 Meter weiter kam die rote Kelle und Maksim stieg aus.
Der Polizist packte einen großen Block aus, also Din A4 und schrieb in einer Ruhe, und er schrieb, und er schrieb. Ich guckte schon zu Maksim. Maksim zuckt mit der Schulter nach dem Motto ‚geht eben nicht anders‘. Maksim rief, ich ging rüber, und Maksim fragte: ‚Tommy, wie heißt dein Papa mit Vornamen?‘ Ich sagte: ‚Es geht dich gar nichts an, mein Freund! Mein Papa hat hiermit nichts zu tun. Du kannst meinen Namen reinschreiben, das war's.‘ ‚Nein, das geht nicht, wir brauchen auch den Vornamen des Papas‘. Dann stand auf dem Zettel ‚Thomas Heinzewitsch Führer‘, denn mein Papa heißt „Heinz“ mit Vornamen. Das Auto haben wir dann auch prompt Heinzewitsch getauft. Damit noch nicht Schluss. Ich merkte ein weiteres, komisches Wort vor meinem Namen, und frage Maksim, was es damit auf sich habe. Es klang nämlich so wie das Wort ‚Pastor‘. ‚Ja’, sagte Maksim, ‚es heißt Pastor.‘ Maksim kriegte das Grinsen nicht mehr raus. So machte Maksim mich eben mal zum ‚Pastor Thomas Heinzewitsch Führer‘, weil wir einen VW Bus mit ganz vielen Kreuzen im Inneren dabei hatten, und dann habe ich wohl irgendwie dann doch vertrauensselig ausgesehen. 

Die ganzen Jahre, weit über 20, der Service Aktivitäten, habe ich gelernt, einfach mit den Menschen zu reden und den Menschen zu erklären: ‚Was mache ich, und warum mache ich das, was bringt mir das und was könnte es dir bringen?‘ Wenn du die Menschen mit dem, was du machst, begeisterst, dann hast du ein Ohr. Wenn du dann noch die die Freundschaft rüberbringen kannst, die dadurch entsteht, die Freundschaften weltweit, dann hast du ein recht einfaches Spiel.
Lebe die Freundschaft vor, lebe den Service. Aber rede einfach darüber, auch ohne die Absicht, dass du jemanden zu Round Table bewegen willst, sondern rede über das, was du bei Round Table machst und was Round Table für dich bedeutet. So kannst du die Menschen peu à peu abholen. Bei manchen dauert es länger, bei manchen geht es schneller. Das Wichtigste ist, dass derjenige, mit dem du sprichst, spürt, was du da denkst, was du da fühlst, warum du das machst. Dann geht's meistens ganz alleine. Viele setzen da an: ‚Hör mal, ich bin bei Round Table, komm doch mal mit.‘ Nein, das ist der falsche Weg. Du musst den Club interessant machen, und das ist er ja nun mal. Wir machen ja wahnsinnig viel Service, warum reden wir nicht einfach darüber? Aber auch mit wildfremden Menschen, die eben in Hanau oder egal wo sind. Wenn dir jemand sympathisch ist, rede doch darüber. 
Ich durfte auch schon Round Table Nummer Eins Moldawien gründen, und das sind eben mal 16 Menschen, die wir da zusammengebracht haben. Mein Ziel ist es jetzt auch, den ersten OT da zu gründen.
Ich behaupte immer, wenn jeder Oldie nur einen einzigen Aspiranten pro Jahr zu Round Table bringt, haben wir 6000 Tabler oder Aspiranten. im Nachgang bleibt es ja immer der Hoheit des Tisches in der Entscheidung, ob sie den Aspiranten aufnehmen, aber die Möglichkeiten bestehen.


Ich gebe weiter: Adapt, adopt, improve.
Mehr gibt es dazu wohl nicht zu sagen. Das war unsere Zeit, jetzt ist eure Zeit, es sind andere Techniken, es sind andere Herausforderungen, und wir finden immer wieder Überschneidungen, wo wir side by side an einem Strang ziehen, und gemeinsam können wir sehr, sehr viel bewegen. Das müssen wir nur machen.“

Ulrich Voigt

Uli Voigt ist Mitglied der Old Tablers 274 Idstein, und gründete zu seiner Round Table Zeit bei RT 74 Hanau den RT 274 Idstein.

„Ich bin noch bei Round Table, weil Round Table oder die Round Table Familie immer noch etwas Besonderes ist. Ich habe hier in Idstein den Tisch gegründet und das rundet die Sache ab.
Also auf einer Seite genieße ich es, mit diesen Leuten weitermachen, die vom Round Table zu den Old Tablers übergehen und so im Freundeskreis weitermachen. Und zum andern auch genieße ich es, den Round Table zu unterstützen und somit weiter dranzubleiben. Der OT hier und ich sind jetzt nicht so, dass wir den Mega-Fokus auf den eigenen Service setzen wollen, sondern eher auf die Freundschaft.

Ich kannte Rainer Christel in Hanau über eine Freundin vom Tanzen, Corinna von Heymann, die dann Robert Possmann heiratete. Über sie bin ich zu einem Freundeskreis in Hanau gekommen. Ich fand Round Table ein interessantes Konzept, Leute zu treffen und sich zu engagieren, und habe dann auch relativ früh die Frage gestellt bekommen von Tommy [Thomas Führer, ehem. RT74, jetzt bei OT74; Anm. d. Aut.], Andreas Rack, und Lutz Heer: ‚Wir suchen jemanden, der auf dem Konvoi mitfährt und den potenziell mitmacht und im Leitungsteam übernimmt.‘
Und dann habe ich ‚ja‘ gesagt. Da wusste ich noch gar nicht, was dahinterstand. Das war 2003, habe ich eben noch mal nachgeguckt. Mit dem Konvoi bin ich 2004 mitgefahren, und dann ab 2005 waren dann Lutz als Konvoileiter draußen, darauf Andreas Rack, und dann habe ich das übernommen.
2006 bin ich nach Idstein gezogen und dann habe dann 2010 den Tisch hier zusammen mit Christian Froessel gegründet, der den Tommy kannte. Also Tommy wusste, dass ich hierherziehe und da ich in Hanau am Tisch war, in Frankfurt gewohnt habe, war das ja immer schon eine halbe Stunde. Nun sollte es dann eben noch weiter raus. Das hat Tommy ja auch Jahrhunderte gemacht, diese Strecke. Dann gibt's da noch einen, der in Wiesbaden am Tisch ist, aber in Idstein wohnt, und dann haben wir uns zusammengetan und haben hier den Tisch gegründet.

Am Tisch treibt mich die Kombination aus Team, Gemeinschaft und Freundschaft an. Und etwas zu bewirken, etwas zu machen, etwas zu erreichen. Außerhalb von RT auch dasselbe in Groß. Einerseits Familie und andererseits beruflich: Etwas erreichen. Jetzt nicht im Sinne von Position, sondern ein Projekt hinkriegen, fertigmachen, was Besonderes machen, um etwas weiterzuentwickeln, auch die Organisation weiterentwickeln.
Es war eine zufällige Verbindung, da ich als Frankfurter nie die Verbindung zu Hanau gehabt habe. Das war zu dieser Zeit auch typisch für den Tisch. Wir hatten ein Einzugsgebiet von Aarbergen, Frankfurt, Darmstadt bis Würzburg. Es waren eigentlich kaum lokale Hanauer am Tisch. Andreas Rack war einer der wenigen, und dadurch waren auch Service Projekte eigentlich immer national. Der Tisch war damals sehr stark national bekannt, hat aber eigentlich wenig lokal gemacht. Und es war auch nicht der Tisch, wo man gesagt hat: ‚Wir treffen uns mal unter der Woche, abends, trinken ein Bier‘, oder so was, weil alle stets zum Treffen angereist sind. Stefan – damals Nagelschmitt, jetzt Krüger –, den ich an den Tisch gebracht hatte, war dann ja als erstes Webmaster auf nationaler Ebene und er machte weiter auf nationaler Ebene.

Das fand ich dann das Reizvolle an der Tischgründung in Idstein, dass wir hier was machen, wo alle Idsteiner sind. Es war viel lokaler.
Ich würde gerne Tablern weitergeben, das Netzwerk zu nutzen. Das ist etwas, das ich wenig gemacht habe. Das war nicht so meine Art des Tabler-Lebens. Reisen und in irgendwelchen fremden Städten einen Tabler finden oder sowas, aber das ist wirklich was, was man in der Zeit von Social Media noch viel, viel einfacher machen kann.
Und das andere ist in unserer schnelllebigen Zeit, in der jeder weniger Zeit hat, wirklich dieses Thema gemeinsame Projekte, den „hands on“-Aspekt, zu leben. Und sei es ‚nur‘ den Weihnachtsmarkt gemeinsam zusammen durchzuziehen. Das sollte niemals aus den Augen verloren werden.“